Insektenwiese Schiefer Brink

Bad Münder lässt den Schiefen Brink erblühen!

Am Schiefen Brink zwischen Böbber und Nettelrede soll in verschiedenen Arbeitsschritten ein Paradies für Insekten und Vögel entstehen. Auf dieser Seite wollen wir Euch mit Informationen zum Projekt und dem NABU Bad Münder versorgen und über der Arbeitsfortschritt auf dem Laufenden halten. Ganz unten sind die wichtigsten Arbeitsschritte mit Bildern festgehalten. 

Die Idee hinter dem Projekt

Ländliche Gebiete als wirtschaftlich, ökologisch und sozial lebensfähige und attraktive Lebensräume zu erhalten, ist ein wichtiges Anliegen des NABU. Ländliche Entwicklung bedeutet, die Lebensbedingungen in ländlichen Räumen nachhaltig zu verbessern, Dörfer, Landschaften und Regionen zu stärken, Umwelt- und Naturschutz voranzutreiben sowie die lokale Identifikation zu unterstützen. Mit dem Projekt Insektenwiese Schiefer Brink soll genau daran gearbeitet werden. 

Angesichts der Größe der Fläche wurde beschlossen, hier sowohl im oberen Bereich Magerrasen zu entwickeln als auch mesophiles Grünland mit extensiv genutzten Streuobstbeständen im unteren Bereich anzulegen. In Randbereichen sind standorttypische Hecken als Nahrungs- und Bruthabitat für Insekten (Ziel Trachtfließband) sowie für Vogelarten wie Neuntöter, Dorngrasmücke und Goldammer vorgesehen.  
 
Der obere Bereich der stark hängigen Fläche weist als Kopf eiszeitlicher Geschiebeablagerungen kiesige, trockene und nährstoffarme Bodenverhältnisse auf. Dieser Bereich, ungefähr die Hälfte der Gesamtfläche, eignet sich entsprechend besonders für die Entwicklung eines Magerrasens, zumal dort angrenzend auch bereits ein vom NABU bewirtschafteter Magerrasen vorhanden ist. 

Im unteren Teil der Fläche soll mesophiles Grünland mit  extensiv genutzten Streuobstbeständen entstehen, wobei in den Randbereichen auch standorttypische Hecken und kleinere Feldgehölze geplant sind. Um nicht nur Nahrungs- sondern auch Nisthabitate für Insektenarten zu schaffen, sollen auf der Fläche darüber hinaus Lesestein- und Totholzhaufen sowie temporäre Kleingewässer (Tümpel) angelegt werden. Letztere könnten für Libellen- und Amphibienarten von Bedeutung sein, die für solche Gewässer typisch sind (z.B. Kreuzkröte, Glänzende Binsenjungfer).


Das naturschutzfachliche Aufwertungspotential ist hier besonders hoch. In den letzten ca. 30 Jahren stand auf der Fläche eine Blaufichtenschonung in Monokultur mit sehr geringem Naturschutzwert. Diese ist wurde im Dezember 2019 abgeholzt. Das Gelände kann jetzt zu einem artenreichen Magerrasen und mesophilen Grünland mit  extensiv genutzten Streuobstbeständen entwickelt werden. In Verbindung mit strukturerhöhenden und insektenfördernden Maßnahmen bedeutet dies daher eine enorme Aufwertung der Fläche im Hinblick auf naturschutzfachliche Kriterien. 


Der NABU Bad Münder verfügt im Deister-Sünteltal, in unmittelbarer Nähe zur beantragten Fläche, bereits über ein Verbundsystem von wertvollen landschaftstypischen Biotopen. Dazu zählen extensives Grünland, mesophiles Grünland, extensiv bewirtschaftete Weiden, Hecken, Feuchtbiotope, Tümpel, Magerrasen, Kopfweidenbiotope und mehrere Streuobstwiesen. 
Als biotopvernetzendes Element wird der Raum vom Gewässerverlauf der Hamel (FFH-Gebiet, ab Stadt Bad Münder, unterhalb KA) mit seinen strukturreichen, naturnahen Abschnitten durchflossen.



Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Insekten- und Vogelparadies haben wir am 7. November 2020 geschafft: An diesem Tag wurden mit jeweils 50 Helfern in zwei Schichten - also Corona-konform -  fast 3500 Feldgehölze gepflanzt. 

Mahdgut 

Von der benachbarten Magerwiese am Eilenberg wurde das Mahdgut zum Schiefen Brink gebracht und von der Kinder- und Jugendgruppe verteilt. Dieses "Animpfen" (Inokulation) des Schiefen Brinks mit autochthonem Saatgut dient dazu, an den Standort angepasste Pflanzengesellschaften zu beheimaten. Zu den Magerwiesenpflanzen, die im Mahdgut vom Eilenberg enthalten sind, gehören zum Beispiel Kopflose Distel, Kleine Bibernelle, Wiesenschlüsselblume, Taubenkropf, Leimkraut, Wilde Möhre, Skabiose, Wiesenschafgarbe und Wiesenflockenblume. Die Entwicklung der Pflanzengesellschaft des Mahdgutes vom Eilenberg, aber auch die Entwicklung des ausgebrachten Regiosaatgutes wird von der Universität Dresden einem Monitoring unterzogen. Dazu werden auf der Fläche mehrere Referenzpunkte für die Untersuchung festgelegt und per GPS eingemessen. 

Einsaat des Regiosaatgutes

Jürgen Imhoff aus Rohrsen sät das zertifizierte Regiosaatgut "Oberes Weser- und Leinebergland mit Harz nach RegioZert" von SaatenZeller aus. Im Außenbereich wurde ein vier Meter breiter Schmetterlingssaum eingesät. Dieser enthält 90% Kräuter und 10% Gräser. Auf dem Rest der Fläche wurde eine Insektenwiese eingesät, diese enthält 50% Kräuter und 50% Gräser. 
Die selbst gesammelte Wilde Möhre rund um den Schiefen Brink wurde dem Saatgut zugeführt. 

Schritt für Schritt geht es weiter - Holzsammeln 

Der erste Arbeitseinsatz im Juli! Diesmal standen die übrigen größeren Holzstücke auf dem Plan. Damit sie später beim Mähen nicht das Mähwerk stören oder sogar beschädigen, hat sich eine am Ende doch ziemlich stattliche Gruppe gefunden, die die Holzstücke zu größeren Totholzhaufen gesammelt hat. 
Der Spaß kam dabei natürlich nicht zu kurz (trotz des leichten Regens ab und zu). Dazu trägt sicherlich auch die traditionelle Kaffeepause immer mit bei!

Das große Fräsen

Aktuell wird die Fläche gefräst und anschließend mit der Scheibenegge bearbeitet. Dies ist notwendig, um die Blaufichtenstümpfe zu entfernen und den seit 30 Jahren nicht bearbeiteten Boden zu lockern. Ohne diese Maßnahme wäre die Anlage und zukünftige Pflege der Magerwiese, des Schmetterlingssaumes, der Streuobstwiese und der Hecken nicht möglich.  Im Spätsommer wird auf der Fläche artenreiches, standortgerechtes "Regio-Saatgut" jeweils für den Schmetterlingssaum und die Insektenwiese eingesät. Offene Kulturlandschaften wie Mager- oder Streuobstwiesen müssen durch 1 bis 2-jährige Mahd kurz gehalten werden. Damit werden Nährstoffe entzogen und so die Artenvielfalt ermöglicht. Für viele Insekten- und Vogelarten sind diese Lebensraumtypen überlebenswichtig.

Bald wird gefräst... 

... aber davor haben wir noch ein paar besondere Bäumchen und Wildstauden in die Bereiche gepflanzt, die nicht gefräst werden sollen. Damit können sie sich später von dort von Neuem wieder ausbreiten und bleiben so erhalten. Außerdem konnten wir so Bodenstrukturen wie dieses temporäre Kleingewässer und verschiedene Bruchkanten abstecken, die besonders für Insekten wichtig sind. 


Es ist offiziell! 

Umweltminister Olaf Lies hat am Freitag, den 19.06.2020 den Förderbescheid übergeben - damit ist der offizielle Startschuss für das Projekt gefallen!

Bei dieser feierlichen Gelegenheit waren nicht nur der NABU Bad Münder und der Umweltminister vor Ort. Dabei waren auch Bürgermeister Hartmut Büttner, CDU-Landtagsabgeordnete Petra Joumaah und ihr SPD-Kollege Ulrich Watermann.